Bedeutung von Vitamin D3 und Calcium für die Gesundheit

Warum ist eine Vitamin D-Zufuhr wichtig?
Vitamin D ist wichtig für
- Stütz- und Bindegewebe, Extrazellularsubstanz
(u.a. Knochen, Gelenke, Muskeln, Zähne und
Zahnhalteapparat) - Aufnahme im Darm und Speicherung von Calcium und Phosphat im Körper
- Immunsystem (Keimabwehr, Immunregulierung,
Bremsung von Auto-Immunvorgängen) - Herz- und Kreislauffunktionen
- Geordnete Aktivität der Gene und Bildung von Genprodukten
- Signalübertragung in den Zellen und Stoffwechselbeeinflussung
- Hormonelles Gleichgewicht (arbeitet mit anderen Hormonen zusammen)
- Wirkt gegen oxydativen und reduktiven Stress und erhält dadurch die nötige „Redox-Balance“
- Psychische Funktionen (Lebenskraft und -freude, Wachheit, Aufmerksamkeit, innere Ruhe, Stressbelastbarkeit, Schlaf)
Warum hat Vitamin D etwas mit der Sonne zu tun?
Unter Sonneneinstrahlung wird es gebildet in:
- Phyto- und Zoo-Plankton
- Pflanzen als Ergocalciferol (Vitamin D2)
- Tieren und Menschen in den Unterhautfettzellen als Cholecalciferol (Vitamin D3)
Wie kommt es zu einem Vitamin D-Mangel?
Durch die Bedingungen unseres westlichen Lebensstils und durch Ansiedeln von Menschen in Zonen des Erdballs, die weiter vom Äquator weg sind, kommt nicht ausreichend Sonne auf die Haut der Menschen.
Begünstigend für einen Vitamin D-Mangel sind insbesondere:
- Bekleidung
- Sonnenschutzgebrauch ab Faktor 8 aufwärts
- lange Arbeitszeiten in Gebäuden
- dunkle Hautfarbe
- Unfähigkeit, ohne fremde Hilfe ins Freie zu gehen
- Durch Enzyminduktion, z.B. Alkoholmissbrauch, bestimmte Medikamente (gegen Epilepsie, Depressionen, Psychosen, Transplantatabstoßung)
Ist Vitamin D in ausreichender Menge in Nahrung enthalten?
Nein bei westeuropäischer Kost. Die in der Ernährung enthaltenen Mengen sind gering gegen die Menge, die durch ein einziges Sonnenbad erreicht werden kann (ca. 10.000 IE).
Vitamin D als fettlösliche Substanz ist angereichert in:
- fetten Fischen (z.B. Lachs), insbesondere wenn diese wild leben (dann können 100 Gramm bis zu 1000 IE Vitamin D3 enthalten)
- Lebertran (1 Tl ca. 500 IE Vitamin D3)
- Fischölen
- gewissen Pilzen (z.B. in 100 Gramm Shiitake, sonnengetrocknet, können ca. 1600 IE Vitamin D2 enthalten sein).
Wie kann ein Vitamin D-Mangel festgestellt werden?
Nicht sinnvoll ist die Bestimmung des „aktivierten“ 1,25-Dihydroxyvitamin [1,25(OH)2D3], da seine Höhe nichts über den Vorrat an Vitamin D3 aussagt. Dagegen ist der 25-Hydroxyvitamin-D3-Blutspiegel [25(OH)D3] ein sehr verlässliches Maß des aktuellen Vitamin D-Status. 25(OH)D3 lässt sich leicht im Blut messen. Es muss aber bedacht werden, dass ein einmalig gemessener Wert, der im erwünschten Bereich liegt, nichts über die ganzjährige Versorgung mit Vitamin D aussagt; es sei denn, es wird konsequent substituiert.
Wenn der Spiegel unter 30-40 ng/ml (80-100 nMol/L) liegt, sind für die genannten vielfältigen biologischen Funktionen keine optimalen Voraussetzungen mehr gegeben. Daher kommt es zu Fehlfunktionen und schließlich zu Multi-Systemerkrankungen.
Welche Vitamin D-Präparate stehen zur Verfügung?
- Ergocalciferol (Vitamin D2) (wenn der Inhalt als Calciferol deklariert ist, ist Vitamin D2 enthalten)
- Cholecalciferol (Vitamin D3)
- Von schweren Fischölen befreiter Lebertran (Nachteil: niedrige Cholecalciferol-Dosis und zusätzlich ein 10 x höherer Anteil an Vitamin A mit der Gefahr der Vitamin A-Überdosierung)
Warum wird zunehmend die Substitution von Cholecalciferol (Vitamin D3) statt Ergocalciferol (Vitamin D2) favorisiert?
Vitamin D2 wirkt biologisch schwächer als Vitamin D3, geht aber bei der 25(OH)D3-Spiegelbestimmung in die Messung mit ein, so dass die biologische Aktivität schlechter eingeschätzt werden kann.
Wie können optimale Vitamin D3-Spiegel [25OHD3] von 40-80 ng/ml (100-ca. 200 nMol/L) erreicht werden?
Nicht, wenn Sie die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) benannte Dosis von 500 bis 800 IE (12,5 bis 20 mcg) pro Tag einnehmen.
Diese Dosen sind für Erwachsene und selbst für Säuglinge inadäquat niedrig.
Durch neuere Studien und Beobachtungen ist herausgefunden worden, dass erst Dosen ab 2.000 IE (50 mcg) zu einem leistungsstarken Immunsystem verhelfen, das auch gefährliche Keime wie z.B. Influenzaviren abwehren kann . Daher gilt inzwischen im englischsprachigen Raum eine Dosis von 2.000 IE (50 mcg) als die oberste unbedenkliche tägliche Dosis. Es wurde darüber hinaus auch festgestellt, dass viele Menschen selbst unter dieser Dosis noch keine wünschenswerten 25(OH)D3-Spiegel über 40 ng/ml (ca. 100 nMol/L) erreichen. In diesen Fällen kann mit Hilfe der Spiegelmessungen der individuelle Bedarf ermittelt werden.
Praktisch bedeutet das: Die in Drogeriemärkten und Apotheken freiverkäuflichen Vitamin D-Präparate decken nicht Ihren wahren Bedarf an Vitamin D. Ihr wahrer Bedarf wird besser gedeckt mittels im Ausland freiverkäuflichen und über Versand erhältlichen höheren Dosierungen von Vitamin D-Präparaten.
Da jedoch der pharmazeutische Hersteller beim Verkauf die Grenzwerte der WHO als angeblichen Tagesbedarf zugrunde legen muss, wird die Dosis von 2.000 IE (50 mcg) in einer Tablette als 500% des Tagesbedarfs deklariert, was bedauerlicherweise medizinische Laien, sehr zu Unrecht, verwirren und irritieren kann.
Die klinische Erfahrung zeigt, dass zu therapeutischen Zwecken, wenn z.B. zur Immunstärkung verabreicht, oft tägliche Dosen von 5.000 bis 10.000 IE (125 bis 250 mcg) nötig sind, um den 25(OH)D3-Spiegel auf mindestens 40 ng/ml (100 nMol/L) zu heben .
Warum ist eine kombinierte Einnahme von Vitamin D3 und Calcium wichtig?
Bei einem Mangel an Vitamin D kommt es unausweichlich im Laufe der Zeit auch zu einem Mangel an Calcium. Wenn der Vitamin D3-Spiegel [25(OH)D3] unter 40 ng/ml (100 nMol/L) sinkt, ist keine ausreichende Calciumaufnahme im Darm mehr gewährleistet. Wenn im Körper der Vorrat an Calcium sinkt, hat das nicht nur für die Knochen schwerwiegende Konsequenzen, da sie dann entkalken, sondern biologische Strukturen, wie Proteine oder nicht knöchernes Stützgewebe entkalken ebenso. Calcium dient als Puffer gegen Protonen, wirkt so der chronischen Übersäuerung entgegen. Calcium verhilft Proteinen auch zur Ausbildung ihrer Sekundärstruktur. Die im Status des Vitamin D-Mangels unzureichende Calciumbindung führt zu Änderungen der Form und Funktion von Proteinen, die sich klinisch erst als Funktionsstörungen, später als nachweisbare Krankheit manifestieren und sogar zu einer Vitamin D-Resistenz führen können.
Darüber hinaus wird die Funktion von Genen und Zellen in vielfältiger Weise durch einen Mangel an Calcium in gleichem Maße verändert wie bei einem Mangel an Vitamin D.
Somit kann ein Mangel an Vitamin D und Calcium aus biochemischer, molekularbiologischer und klinischer Sicht nicht voneinander getrennt betrachtet werden. Als Langzeitfolge entstehen bei beiden Mängeln die gleichen klinischen Manifestationen.
Wie lässt sich ein Mangel an Calcium beweisen?
Schlecht, da das Calcium im Blut mittels Herauslösen von Calcium aus dem Knochen sehr lange im Normbereich gehalten wird. Ein sicheres Zeichen eines Calcium-Mangels ist jedoch eine Erhöhung des Parathormons (Nebenschilddrüsenhormon), obwohl diese Erhöhung, bedingt durch andere Faktoren, auch ausbleiben kann.
Wieviel Calcium soll eingenommen werden?
Unsere westeuropäische Kost ist arm an Calcium. Oft werden nur 300 mg elementaren Calciums pro Tag aufgenommen, obwohl der Tagesbedarf des Gesunden mit mindestens 1.000 mg angegeben wird. Kinder im Wachstum, alte und kranke Menschen brauchen höhere Dosen. Die Tageshöchstdosis wird mit 2.400 mg elementarem Calcium angegeben. Calcium ist wegen der maximal nur erreichbaren Aufnahme des Darmes von 600 mg pro Mahlzeit auf 2 bis 6-fache Einzeldosen zu verteilen.
Wie lange sollte Vitamin D3 und Calcium eingenommen werden?
Angepasst an Gesundheitszustand, Klima und Lebensstil mindestens Substitution an sonnenfreien Tagen. Auf begleitende ausreichende diätetische Zufuhr von Calcium oder Substitution von Calcium sollte geachtet werden.
Für bereits chronisch Erkrankte empfiehlt sich die lebenslange Dauerbehandlung in Kombination mit Calcium. Die Dauereinnahme verhilft zu einem allgemein besseren Gesundheitszustand mit gesteigertem Wohlbefinden, fehlender Infektanfälligkeit und Ausbleiben von Erschöpfungszuständen. Langfristiges Ziel einer solchen lebenslangen Substitution ist neben der positiven Beeinflussung des Verlaufs jeder chronischen Erkrankung insbesondere auch die Vermeidung der Altersosteoporose mit deutlicher Krümmung des Rückens und allgemeiner Muskelschwäche.
Drohen Nierensteine oder Verkalkungen unter Gabe von Vitamin D3 und Calcium?
Sofern die angegebenen Grenzwerte berücksichtigt werden, NEIN.
Im Gegenteil zeigt die klinische Erfahrung, dass Menschen, die z.B. zu Nierensteinen neigen, unter Vitamin D3-Gabe sogar weniger Steinabgang aufweisen als ohne Calcium und Phosphat. Das liegt daran, dass Vitamin D3 den biologisch sinnvollen Einbau (d.h. chemische Bindung) von Calcium und Phosphat bewirkt und andererseits Calcium die Vitamin D-Resistenz bessert bzw. verhindert. Aus Sicherheitsgründen sollte aber bei einer Neigung zu Nierensteinen nach Möglichkeit mit Calciumcitrat substituiert werden.
Wer hat ein erhöhtes Risiko für einen Vitamin D-Mangel?
- Menschen, die polwärts jenseits des 40., insbesondere aber jenseits des 46. Breitengrades liegen. Neapel liegt nördlich des 40., der Comer See im Bereich des 46., München ca. auf dem 48., Berlin ca. auf dem 52. Breitengrad
- Städter generell im Bereich aller Breitengrade wegen Luftverschmutzung
- Sonnencremebenutzer (ab Lichtschutzfaktor 8 aufwärts)
- Nicht im Freien Arbeitende
- Menschen mit langen Arbeitszeiten im Innenbereich
- Alle, die sich nicht mit eigener Kraft ins Freie bewegen können
- Menschen mit dunkler Hautfarbe
- Menschen mit Altershaut und Frühgeborene wegen geringerem subkutanen Fettgewebe
- Menschen in Haft
- Menschen, die bestimmte Medikamente einnehmen (gegen Epilepsie, Depressionen, Psychosen, Transplantatabstoßung)
- Menschen, die viel Alkohol zu sich nehmen
Wer hat ein erhöhtes Risiko für einen Mangel an Calcium und eine dadurch entstehende Vitamin D-Resistenz?
- Menschen mit Darmerkrankungen und/oder Durchfällen
- Menschen mit Milchunverträglichkeit oder Abneigung gegen Milch und Milchprodukte
- Menschen, die viel Alkohol zu sich nehmen
- Drogenabhängige
- Hungernde und arme Menschen
- Menschen, die körperliche Extremleistungen vollbringen (Schweiß enthält viel Calcium, z.B. bei Sportlern oder Hochofenarbeitern)
- Werdende und stillende Mütter
Welche Erkrankungen werden inzwischen mit einem chronischen Mangel an Vitamin D3 und Calcium in Zusammenhang gebracht?
- Rheumatoide Arthritis und Morbus Bechterew
- Morbus Crohn und Colitis ulcerosa
- Multiple Sklerose
- chronische Infekte (obere Luftwege, Harnwege und Unterleib)
- prämenstruelles Syndrom, Eklampsie, polycystisches Ovar, Endometriose
- Parodontitis, Zahnausfall, Karies
- Rachitis, Osteoporose, Osteochondritis
- Diabetes mellitus Typ 1 und 2
- Kardiovaskuläre Erkrankungen, Herzschwäche, Bluthochdruck, Übergewicht
- Sklerodermie und Psoriasis
- Darmkrebs und -adenome, Brustkrebs, Prostatakrebs und -hypertrophie
- Fibromyalgie (Erwachsenenrachitis?)
- Depressionen und chronische Schlafstörungen
- chronisches Müdigkeitssyndrom
- Altersschwäche
- Epilepsie
Zusätzliche eigene Beobachtungen (Verdacht!):
- restless legs?
Begründung: Ein Mangel an Calcium beeinflusst die Erregbarkeit der Nerven im Sinne von Übererregbarkeit - multiple Chemikalienüberempfindlichkeit (MCS)?
Begründung: Bereits in frühen Stadien eines Vitamin D-Mangels an Vitamin D ist eine deutliche Störung der Entgiftung zu beobachten. Allergien wurden früher (zu Recht?) mit einem Mangel an Calcium in Zusammenhang gebracht.
Wie lässt sich anhand des Beschwerdebildes bereits ein Mangel an Vitamin D3 und Calcium vermuten?
Es gibt viele Beschwerden, die auf einen Mangel an Calcium und Vitamin D hinweisen. Von Stadium zu Stadium gesellen sich immer mehr Beschwerden hinzu. In weit fortgeschrittenen Fällen muss mit weiteren Mängeln gerechnet werden:
Anfangsstadium (bei Erkennen und Behandeln voll reversibel):
- Müdigkeit und Abgeschlagenheit
- Nervosität und Konzentrationsstörungen
- Nicht erholsamer Schlaf
- Heißhunger auf Süßigkeiten
- Allgemeines Unwohlsein
- Antriebsstörungen
- Lustlosigkeit
- Freudlosigkeit
Mittleres Stadium (in aller Regel auch noch reversibel):
- Häufige Infekte (obere und untere Luftwege, Harnwege und Unterleib)
- Allergien, erste Unverträglichkeitsreaktionen (Pseudo-Allergien)
- Funktionelle Beschwerden im Bereich aller Organe (bei Untersuchungen Normalbefunde)
- Schmerzen im Bewegungsapparat (noch wechselnde Orte und nicht beständig)
- Deutlichere Schlafstörungen
- Trockenheit von Haut und Schleimhäuten
Chronisch gewordenes Stadium (Linderung durch Behandlung möglich, völlige Heilung fraglich):
- Schwere Abgeschlagenheit und Schwäche mit eindeutigen Funktionsausfällen (Beruf, Alltagstätigkeiten, soziale Kontakte)
- Schwere Unverträglichkeitsreaktionen auf Nahrungsmittel und Stoffe des Alltagslebens
- Veränderung der Primärpersönlichkeit
- Chronische und über den ganzen Körper verteilte Schmerzen von „neuropathischem“ Charakter
- Hinzutreten chronischer schwerer Erkrankungen wie u.a. rheumatische, autoimmune oder entzündlich degenerative Erkrankungen, Krebs
- Hinzutreten von sekundären Mangelerscheinungen durch oxydativen und reduktiven Stress
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Dr. med. Anna Dorothea Höck
Ärztin für Innere Medizin, Psychotherapie
Mariawaldstr. 7, 50935 Köln, Tel (+49) (0)221 466650
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| In der PDF-Datei „Bedeutung von Vitamin D3“ finden Sie den Text von Frau Dr. Höck einschließlich zahlreicher Literaturhinweise zum Themenkomplex Vitamin D3. |





